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Durchatmen in den Heilbädern und Kurorten Baden-Württembergs

Der Frühjahr ist die Zeit des Durchatmens. Die Tage werden länger, die Luft milder – und wir sehnen uns danach, durchzuatmen. Durchatmen im ganz wörtlichen Sinn, aber auch im übertragenen: loslassen, entspannen, sich wieder freier fühlen. In Baden-Württemberg gibt es Orte, an denen genau das möglich ist. Orte, an denen die Kraft der Natur spürbar wird. Unter Tage, in Natur und mitten in der Stadt.

Wir haben diese Orte besucht. Und dabei Anja getroffen, Atemtherapeutin, die im Heilstollen Neubulach Kurse gibt, und Maike, Ergotherapeutin, Yogalehrerin und Entspannungspädagogin aus Bad Wildbad. Was beide wissen, klingt zunächst simpel: Atmen passiert automatisch. Aber wer einmal wirklich bewusst atmet – tief, langsam, vollständig – versteht, warum es der direkteste Weg zu Entspannung und Wohlfühlen ist.

Der Film zeigt drei Orte in Baden-Württemberg, die dieses Erleben auf völlig unterschiedliche Weise ermöglichen: den Heilstollen Neubulach tief unter der Erde, den Sommerberg in Bad Wildbad und den Kurpark Bad Cannstatt in der Stuttgarter City. Drei Orte. Eine Erkenntnis: Wer wirklich durchatmet, kommt verändert zurück.

Sehnsuchtsorte zum Durchatmen

Häufige Fragen

Was du über Heilstollen, Waldklima und Atemtherapie wissen solltest

Was ist ein Heilstollen und wie wirkt er auf die Gesundheit?
Ein Heilstollen ist ein ehemaliges Bergwerk oder eine natürliche Höhle, in der durch geologische und physikalische Gegebenheiten ein therapeutisch wirksames Mikroklima entsteht. Im Heilstollen Neubulach beträgt die Luftfeuchtigkeit nahezu 100 %, die Temperatur liegt konstant bei 6–8 °C und die Luft wird alle 15 Minuten vollständig natürlich erneuert. Dabei bindet die feuchte Luft Pollen, Feinstaub und Reizstoffe, die sich an den Wänden niederschlagen. Was die Gäste einatmen, ist ein sogenanntes Reinklima – messbar reiner als Außenluft und frei von Allergenen. Diese Wirkung ist besonders nachgewiesen bei Atemwegserkrankungen wie Asthma, COPD und chronischer Bronchitis, aber auch bei Burnout und Stresserkrankungen.
Wann hat der Heilstollen Neubulach geöffnet - und warum ist er saisonal?
Der Heilstollen Neubulach ist von April bis Oktober geöffnet. Der Grund: Der natürliche Luftaustausch, der das therapeutische Klima im Stollen erzeugt, funktioniert nur dann, wenn die Außentemperatur deutlich wärmer ist als die Stollentemperatur (6–8 °C). Im Winter, wenn es draußen ähnlich kalt ist wie im Stollen, fällt dieser Temperaturunterschied weg – und die Luftzirkulation kommt zum Erliegen. Ein Besuch dauert typischerweise 1,5 bis 2 Stunden. Man kann spontan erscheinen oder im Voraus buchen; einen eigenen Schlafsack und Wollsocken mitzubringen wird empfohlen.
Was sind Phytonzide – und warum sind sie im Schwarzwald besonders wirksam?
Phytonzide sind flüchtige organische Verbindungen (vor allem Terpene), die Bäume als Teil ihrer natürlichen Kommunikation und Abwehr an die Luft abgeben. Der Mensch nimmt sie passiv über die Lungen und die Haut auf. Studien zeigen, dass diese Stoffe die Ausschüttung von Stresshormonen senken, die Aktivität sogenannter Natural-Killer-Zellen des Immunsystems erhöhen und messbar zur Entspannung beitragen können. Der Schwarzwald gilt als eine der phytonzidreichsten Regionen Deutschlands, weil hier auf großer Fläche alte Nadelbäume – vor allem Kiefern und Fichten – wachsen, die besonders hohe Konzentrationen dieser Stoffe produzieren.
Wie funktioniert die dreiteilige Atmung – und wofür ist sie gut?
Die dreiteilige Atmung ist eine geführte Atemübung, die alle drei natürlichen Atemräume des Körpers nacheinander aktiviert: zunächst den Bauch (Zwerchfellatmung), dann die Rippenbögen (mittlere Atmung) und schließlich die Lungenspitzen (Schlüsselatmung). Man legt die Hände nacheinander auf diese drei Bereiche, um die Bewegung bewusst zu spüren. Das Ergebnis ist eine vollständige, tiefe Atmung, die die gesamte Lungenkapazität nutzt. Regelmäßig angewendet verbessert sie die Körperwahrnehmung, senkt die Atemfrequenz, aktiviert den Parasympathikus (das Entspannungsnervensystem) und kann chronischen Atemgewohnheiten wie Brustatmung unter Stress entgegenwirken.
Was hat der Kurpark Bad Cannstatt mit Atmen zu tun?
Bad Cannstatt war bereits vor über 100 Jahren als Kurort bekannt. Der historische Kurpark mit dem Jugendstil-Kurhaus, dem Wilhelms-Brunnen und dem Lautenschläger-Brunnen war Treffpunkt der damaligen High Society – ein Ort, der gezielt zur Erholung, zum Atmen und zur Regeneration aufgesucht wurde. Im Gartenhaus am Rande des Parks entwickelte Gottlieb Daimler gemeinsam mit Wilhelm Maybach den ersten schnelllaufenden Motor – ein Zeichen dafür, dass Erholung und Fortschritt schon immer nah beieinanderlagen.
Für wen ist ein Besuch im Heilstollen geeignet?
Der Heilstollen Neubulach ist nach Angaben von Atemtherapeutin Anja besonders geeignet für Menschen mit Asthma, Bronchialasthma, COPD, Burnout, wiederkehrenden Infekten der Atemwege sowie für alle, die einfach eine tiefe Auszeit suchen. Es gibt keine Altersbeschränkung. Wer sich unsicher ist, ob ein Besuch für die eigene Gesundheitssituation geeignet ist, sollte vorher ärztlichen Rat einholen. Ein Besuch ist spontan möglich, Voranmeldung wird jedoch empfohlen.

Drei Atemübungen - Zum Nachmachen!

Bewusstes Atmen lässt sich noch gezielter erleben – mit einfachen Techniken, die man überall anwenden kann. Maike ist Ergotherapeutin, Yogalehrerin und Entspannungspädagogin. Im Wald bei Bad Wildbad zeigt sie drei Übungen, die sofort spürbar wirken. Kein Equipment. Kein Vorwissen. Kein Vorwissen. Nur einige Minuten Zeit.
Atembeobachtung
Augen schließen, ankommen. Wahrnehmen, wie der Atem kommt und geht – ohne ihn zu verändern. Wo spüre ich ihn? Im Bauch? In der Brust? Das klingt einfacher, als es ist: Gedanken kommen, lenken ab – und man kehrt immer wieder zur Atembeobachtung zurück. Diese Übung schult die Wahrnehmung und bringt einen direkt in den gegenwärtigen Moment. Klarheit und Präsenz statt Gedankenkarussell.
Dreiteilige Atmung
Hände auf den Bauch legen und dort einatmen – spüren, wie sich der Bauch hebt. Dann Hände an die Rippenbögen: zweiter Atemraum, der sich seitlich weitet. Schließlich Hände unter die Schlüsselbeine: die Lungenspitzen füllen sich. Alle drei Räume verbinden sich zu einem tiefen, vollständigen Atemzug. Diese Übung schafft Balance zwischen Ein- und Ausatmen, vertieft die Atmung messbar und stärkt die Körperwahrnehmung. Besonders wirksam nach langen Sitzphasen oder bei Anspannung.
Atemzählen
Einatmen: 1. Ausatmen: 2. Einatmen: 3 – bis 10. Dann von vorne. Klingt fast trivial – ist aber eine der wirkungsvollsten Beruhigungsbungen überhaupt. Das Zählen gibt dem Verstand etwas zu tun und verhindert, dass er abschweift. Es verlangsamt automatisch die Atemfrequenz. Nach zwei, drei Runden sinkt die Herzrate spürbar. Diese Übung eignet sich für die Mittagspause genauso wie als Einschlafhilfe.
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Was im Heilstollen geschieht – und warum die Luft dort so besonders ist
In diesem Ausschnitt erklärt Anja die natürlichen Prozesse im Heilstollen Neubulach. Die nahezu 100-prozentige Luftfeuchtigkeit fühlt sich nicht schwer oder belastend an, sondern ist Teil des reinigenden Klimas. Feine Wassertröpfchen binden Staub, Pollen und andere Reizstoffe, die sich an den Wänden des Stollens niederschlagen. Der natürliche Luftaustausch entsteht durch den Temperaturunterschied zwischen dem kühlen Berginneren und der wärmeren Außenluft. Deshalb funktioniert das System vor allem von April bis Oktober. Der Clip eignet sich als ruhiger Einstieg für alle, die den Heilstollen kennenlernen möchten – und als Vorbereitung auf einen ersten Besuch.
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Drei Atemübungen im Wald – mit Maike
Maike führt uns im Wald durch alle drei Atemübungen in Echtzeit: Atembeobachtung, dreiteilige Atmung und Atemzählen. Das Format ist bewusst als Mitmach-Übung gedacht – Maike spricht direkt in die Kamera, langsam, klar, mit genüg Pausen, um die Übungen nachzumachen. Kein Equipment, keine Vorkenntnisse, keine Vorbereitung nötig. Besonders wirksam natürlich im Wald, aber auch auf dem Balkon oder einfach als kurze Pause im Alltag.
Neubulach
Bad Wildbad
Bad Cannstatt

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